Low Intervention: Warum wir im Keller so wenig wie möglich tun

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Hände bei der Handlese mit Rebschere und Traube, Schwarz-Weiß

Low Intervention heißt: im Keller so wenig wie möglich eingreifen, damit der Wein zeigt, woher er kommt. Unsere Weine vergären spontan mit ihren eigenen Hefen, werden weder aufgezuckert noch geschönt oder gefiltert und bekommen so wenig Schwefel wie möglich. Das funktioniert nur, wenn im Weingarten alles stimmt. Low Intervention bedeutet deshalb nicht, nichts zu tun, sondern genau hinzuschauen und nur dann einzugreifen, wenn der Wein es wirklich braucht.

Was bedeutet Low Intervention beim Wein?

Der Begriff kommt aus dem Englischen und heißt so viel wie „geringer Eingriff“. Gemeint ist eine Arbeitsweise, bei der Wein mit möglichst wenigen Hilfsmitteln und möglichst wenig Technik entsteht. Unser Leitsatz dafür ist kurz: Nothing added, nothing removed. Nichts hinzufügen, nichts wegnehmen.

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Moderne Kellertechnik kann fast alles korrigieren: zu wenig Zucker, zu viel Säure, zu wenig Aroma, einen trüben Wein. Wer auf diese Werkzeuge verzichtet, muss darauf vertrauen, dass die Trauben alles mitbringen, was der Wein braucht.

Ist Low Intervention dasselbe wie Naturwein?

Fast. „Naturwein“ ist kein gesetzlich geschützter Begriff, und jeder versteht etwas anderes darunter. Gemeint sind meist Weine aus ökologisch bewirtschafteten Weingärten, spontan vergoren, ohne Schönung und Filtration, mit wenig oder gar keinem Schwefel. Genau so arbeiten wir.

Wir sprechen trotzdem lieber von Low Intervention, weil der Begriff genauer beschreibt, worum es uns geht: nicht um eine Stilrichtung oder ein Etikett, sondern um eine Haltung. Wir greifen wenig ein und beobachten viel.

Warum beginnt Low Intervention im Weingarten?

Wer im Keller nichts korrigiert, muss im Weingarten alles richtig machen. Nur gesunde, ausgewogen reife Trauben vergären sauber mit wilden Hefen. Deshalb passiert der entscheidende Teil unserer Arbeit draußen. Wir arbeiten ökologisch und verzichten seit 2008 auf synthetische Pflanzenschutzmittel. Übers ganze Jahr wird jeder Rebstock von Hand gepflegt: geschnitten, ausgebrochen, entblättert. Der Boden wird gelockert und begrünt, damit er lebendig bleibt.

Furmint pflanzen wir mit bis zu 8.000 Stöcken pro Hektar, teils am Draht, teils in der alten Stockkultur. Gelesen wird von Hand, und was nicht gesund ist, bleibt am Stock. Michael sagt es so: Naturweinbereitung kann nur im Weingarten beginnen.

Was passiert im Keller?

Im Keller setzen wir diese Haltung fort. Unsere Weine vergären spontan, ohne Reinzuchthefen. Wir zuckern nicht auf und setzen keine Enzyme, keine Klär- und keine Schönungsmittel ein. Ausgebaut werden die Weine auf der Hefe, im Stahltank, im Holzfass oder in der Amphore. Manche Weißweine vergären wie Rotwein auf der Maische, mit ihren Schalen, und bekommen dadurch mehr Struktur und Farbe.

Seit 2012 filtrieren wir einzelne Weine nicht mehr, seit 2014 sind alle unsere Weine unfiltriert. Schwefel setzen wir, wenn überhaupt, nur minimal ein. Den Rest erledigt die Zeit.

Was bewirken wilde Hefen?

Auf den Beerenhäuten und im Keller leben viele verschiedene Hefen. Bei einer Spontangärung arbeiten sie nacheinander und miteinander. Das dauert länger und ist weniger berechenbar als eine Gärung mit gekauften Reinzuchthefen, bringt aber mehr Vielschichtigkeit in den Wein.

Reinzuchthefen prägen den Geschmack immer mit, oft in eine bestimmte, vorhersehbare Richtung. Mit den eigenen Hefen bekommt man den Geschmack der Traube und des Weingartens ins Glas, und jeder Jahrgang wird ein wenig anders. Das ist gewollt.

Warum ungefiltert und mit wenig Schwefel?

Filtration und Schwefel machen einen Wein stabil, nehmen ihm aber auch etwas von seiner Textur und Lebendigkeit. Ein unfiltrierter Wein behält die feinen Hefeteilchen, die ihm Tiefe und Griff geben. Ein leichter Trub oder etwas Depot in der Flasche ist deshalb kein Fehler, sondern ein Zeichen dafür, dass nichts weggenommen wurde.

Schwefel ist dabei kein Feind. Er entsteht in kleinen Mengen auch natürlich bei der Gärung und schützt den Wein vor Oxidation. Wir setzen ihn so sparsam wie möglich ein, bei manchen Weinen gar nicht, aber nicht um jeden Preis: Der Wein soll lebendig bleiben und trotzdem gut reifen können.

Wie schmecken Low-Intervention-Weine?

Oft lebendiger, manchmal eigenwilliger als technisch gemachte Weine. Unser Ziel ist aber kein bestimmter „Naturweingeschmack“, sondern Präzision: klare Frucht, Spannung, Textur und Mineralik. Ein guter Wein aus wenig Eingriff schmeckt vor allem nach seiner Herkunft, bei uns nach Rust, dem See und den kargen Böden.

Viele unserer Weine brauchen nach dem Öffnen etwas Luft. Es lohnt sich, sie in ein großes Glas oder eine Karaffe zu geben und ihnen Zeit zu lassen. Sie verändern sich im Glas, und das ist Teil ihres Reizes.

Warum machen wir das?

Michael hat Weinbau so gelernt, wie man ihn damals unterrichtete: Reinzuchthefen, kein biologischer Säureabbau, sterile Filtration. Daran ist nichts falsch, aber es entstehen so Weine, die sich immer ähnlicher werden. Auf seinen Reisen, vor allem ins Burgund und nach Tokaj, hat er gesehen, dass große Weine vor allem eines brauchen: Herkunft, die man schmecken kann.

Low Intervention ist für uns deshalb keine Mode, sondern die Konsequenz aus dieser Erfahrung. Wir wollen Weine, die nicht gemacht wirken, sondern gewachsen. Und wir wollen mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie.

Häufige Fragen zu Low Intervention

Ist Naturwein ein geschützter Begriff?
Nein. Es gibt keine einheitliche gesetzliche Definition. Wir sprechen deshalb von Low Intervention und sagen genau, was wir tun und was nicht.

Enthalten eure Weine Sulfite?
Ja, in sehr geringen Mengen. Schwefel entsteht auch natürlich bei der Gärung. Wir setzen nur minimal zu, bei manchen Weinen gar nicht.

Warum ist mein Wein trüb?
Weil er nicht gefiltert ist. Die feinen Hefeteilchen sind unbedenklich und gehören zum Wein. Wer es klarer mag, stellt die Flasche vor dem Öffnen einige Stunden aufrecht.

Sind Low-Intervention-Weine lagerfähig?
Ja. Gerade Furmint mit seiner natürlichen Säure hat großes Reifepotenzial und entwickelt sich über viele Jahre.

Wie lagere ich die Weine am besten?
Kühl, dunkel und bei gleichmäßiger Temperatur, idealerweise bei 10 bis 15 °C. Wenig geschwefelte Weine reagieren empfindlicher auf Wärme.

Was ist der Unterschied zu Bio-Wein?
Bio bezieht sich vor allem auf die Arbeit im Weingarten und erlaubt im Keller noch viele Hilfsmittel. Low Intervention beschreibt, wie wenig wir im Keller eingreifen. Wir arbeiten im Weingarten ökologisch und im Keller mit so wenig Eingriff wie möglich.